Michaela Baschin überzeugt auch ohne Medaille bei den Europameisterschaften

Christoph Nesper

Bei den Europameisterschaften in Belgrad konnte Backnangs Vorzeigejudoka Michaela Baschin ihre Zugehörigkeit zur Weltspitze bestätigen. Die Verteidigung ihre Bronzemedaille vom letzten Jahr klappte zwar nicht, aber die TSG-Kämpferin zeigte eine gute Leistung. Sie lieferte sich in ihrer Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm packende Duelle mit Kämpferinnen der absoluten Weltklasse und wurde schließlich Fünfte. Logischerweise war Backnangs Sportlerin des Jahres nicht ganz zufrieden: „Den Kampf um Bronze habe ich verschlafen, das ärgert mich total.“ Ärgern dürfte es sie vor allem deshalb, weil es nun eben nur wenige Punkte auf ihr Weltranglistenkonto gibt. Denn diese Europameisterschaften eröffnen zugleich die Qualifikation für Peking. Dafür ist dieser fünfte Platz aber auch gar kein schlechter Anfang.
Im ersten Durchgang hatte die Kleinaspacherin wenig Mühe. Gegen die relativ unbekannte Milica Ilic (Montenegro) dominierte Baschin das Geschehen auf der Matte von Anfang an und gewann schon nach drei Minuten mit einem Ippon (vorzeitiger Sieg) für einen Würgegriff. In der zweiten Runde wartete dann schon eine wesentlich größere Herausforderung. Gegen Frédérique Jossinet aus Frankreich hatte sich Baschin schon so manchen heißen Kampf geliefert. Das war auch diesmal nicht anders. Die Französin war als Zweite der Olympischen Spiele und Weltranglisten-Fünfte leicht favorisiert. Sie war vor allem in der Bodenlage ein ums andere Mal gefährlich, während Baschin im Stand mehrmals mit ihrem Uchi-Mata (Innenschenkelwurf) fast zum Erfolg gekommen wäre.
Innerhalb der regulären Kampfzeit von fünf Minuten gab es keinen zählbaren Erfolge, so dass der Kampf in die Verlängerung ging. Mit unerfreulichem Ende für Baschin: sie bekam schon in der ersten Minute der Verlängerung eine kleine Strafe wegen Passivität. „Eine Entscheidung, die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Die Verlängerung hatte gerade erst angefangen und die Französin hat sicherlich auch nicht mehr getan als ich,“ haderte sie mit dem Kampfgericht. Es half aber nichts: damit war der Kampf entschieden, Baschin musste auf die Trostrunde hoffen.
Hierfür freilich war es ein Vorteil, gegen die mitfavorisierte Französin verloren zu haben. Denn diese zog mit einem hart erkämpften Sieg über die starke Russin Bogdanova ins Halbfinale ein und ermöglichte so der TSG-Kämpferin die Teilnahme an der Trostrunde. Hier traf Baschin zuerst auf Bogdanova, mit der Jossinet zuvor auch schon ihre liebe Mühe gehabt hatte. Und Baschin bekam die Aggressivität der Russin gleich selbst zu spüren. Mehrmals konnte sie nur mit knapper Not einem Wurfangriff der Russin entgehen. Und erneut stand es nach Ablauf der fünf Minuten unentschieden, wieder musste die Deutsche in die Verlängerung. Diesmal allerdings mit dem besseren Ende für sich: nach effektiv 7:30 Minuten Kampfzeit konnte sie einen Angriff der Russin mit O-Uchi-Gari (Große Innensichel) kontern und in die nächste Runde einziehen.
Hier wartete mit Leen Dom aber keine Unbekannte. Die Belgierin kämpft in der Bundesliga für den Lokalrivalen KSV Esslingen und rangiert in der Weltrangliste nur vier Plätze hinter Baschin, die derzeit Zehnte ist. Die Esslinger hatten das Duell der beiden im letzten Jahr vermieden, indem sie Dom eine Gewichtsklasse höher einsetzten. Jetzt wurde es nachgeholt. Mit deutlichen Vorteilen für die TSG-Kämpferin. Baschin dominierte nach anfänglichem Abtasten das Geschehen auf der Matte. Sie punktete zweimal Koka (kleine Wertung) und einmal Waza-Ari (große Wertung) für eine Kontertechnik. Als sie kurz vor Ablauf der Kampfzeit dann mit einem Uchi-Mata noch ein weiteres Waza-Ari erzielte, war sie durch, denn zwei große Wertungen werden beim Judo zu einem vorzeitigen Sieg addiert.
Damit stand die Sportstudentin aus dem Schwabenland wie im letzten Jahr im Kampf um die Bronzemedaille. Mit dem Platz auf dem Siegertreppchen wurde es aber diesmal nichts. Gegen die Spanierin Vanesa Arenas Cameron geriet Baschin schon bald mit Waza-Ari in Rückstand. Die Spanierin hatte sie mit einer Finte nach vorne mit anschließendem Wurf nach hinten überrascht. „Sie hat mich kalt erwischt. Ich war noch gar nicht richtig im Kampf,“ analysiert die A-Kader-Athletin des Deutschen Judo-Bundes. Sie griff danach zwar vehement an, konnte Arenas Cameron aber nicht mehr in Bedrängnis bringen. Diese verteidigte ihren Vorsprung hart an der Grenze zu einer Bestrafung, brachte die TSG-Kämpferin durch Kontertechniken aber auch noch selbst in höchste Not. Es gab keine weiteren Wertungen mehr in diesem Match, Baschin musste diesmal mit einem fünften Platz zufrieden sein. Mit dem kann sie aber ebenfalls zufrieden sein, denn sie hat gezeigt, dass sie in Europa dazu gehört und dicht an der Weltspitze dran ist.