Backnang weiterhin ungeschlagener Tabellenführer

Christoph Nesper

Überraschend deutlich schlugen die Backnanger Judo-Männer den hoch gehandelten JSV Speyer. Beim Südgipfel der zweiten Bundesliga in der mit gut 300 Fans gefüllten Speyerer Osthalle setzte sich der Tabellenführer von der Murr klar mit 9:5 (82:38) durch. Damit konnte die Lamsfuß-Mannschaft ihre Spitzenposition festigen. Zwei Kampftage vor Saisonende bleibt die TSG ungeschlagener Tabellenführer. Gleichzeitig patzte Verfolger VfL Riesa mit einem Unentschieden bei Schlusslicht FC Rötz, sodass die Backnanger die Meisterschaft am kommenden Samstag in eigener Halle, wo sie dann selbst auf Rötz treffen werden, schon so gut wie klar machen können.
Eigentlich war Trainer Tim Lamsfuß aber mit gemischten Gefühlen nach Speyer gefahren. Die Pfälzer haben einige international erfahrene Leute auf ihrer Liste. Die Frage war nur, wen sie nun tatsächlich aufstellen würden. Zudem musste die TSG diesmal auf Thomas Beck verzichten. Der erste Mann in der Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm war für den Deutschen Judo-Bund im Einsatz. Beim internationalen U20-Turnier in Cetniewo belegte Beck übrigens er einen respektablen siebten Platz. Ansonsten aber waren die Schwaben komplett, sodass der Gegner mit ordentlichem Respekt an die Sache heranging und sein stärkstes Aufgebot aufstellte.
Und zunächst schien es auch so, als könnte die Rechnung der Pfälzer aufgehen. In der Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm kam es zwischen Philipp Popp und dem Franzosen Yannick Bonne gleich zu einer spannenden Begegnung, die über die volle Kampfzeit ging. Beide Kämpfer konnten ein Waza-Ari (große Wertung) erzielen und der Kampf war lange unentschieden. Erst mit dem Schlussgong gelang dem Franzosen eine weitere Wertung, sodass der erste Zähler an die Gastgeber ging. Als nächstes trat der jüngste TSG-Akteur an. Vitalij Fuhrmann traf in der Klasse bis 73 Kilogramm auf den wesentlich erfahreneren Alexander Grewenig. Der Backnanger geriet auch prompt mit einem Koka (kleine Wertung) in Rückstand. Doch er ließ sich nicht beirren und griff weiter an. Nach zwei Minuten wurde belohnt. Mit einem Haltegriff hatte er für den Ausgleich gesorgt.
Jetzt war Backnang am Drücker. In der Gewichtsklasse über 100 Kilogramm traf Sven Albrecht auf Markus Sturm, über den wirklich so etwas wie ein Sturm hereinbrach. Schon nach 18 Sekunden war die Begegnung wieder beendet. Der TSG-Kämpfer hatte sich mit einem Seoi-Nage (Schulterwurf) durchgesetzt. Und das Lamsfuß-Team blieb dran. In der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm dominierte Matthias Klee den Speyerer Andreas Kolbig klar und setzte schließlich mit einer Selbstfalltechnik durch. Daniel Strobel setzte bis 66 Kilogramm dann gleich noch einen drauf. Schon nach 31 Sekunden hatte er gegen Helmut Blank mit einem Seoi-Nage zum 4:1 erhöht.
Es folgte die Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm. Hier musste Sascha Großmann für Thomas Beck in die Bresche springen. Aber die Stärke der TSG liegt ja gerade darin, dass der Trainer in jeder Gewichtsklasse noch mindestens einen Kämpfer in der Hinterhand hat, der in der zweiten Liga für Punkte gut ist. Großmann machte seine Sache mehr als gut. Er musste an diesem Tag zweimal auf die Matte und gewann beide Begegnungen. Den Anfang machte er gegen Marcel Agustina, den er mit einer Würgetechnik zur Aufgabe zwang. Im letzten Kampf der Hinrunde kam Speyer aber dann doch noch zum zweiten Punkt. In der Kategorie bis 100 Kilogramm musste sich Martin Bertagnoli dem starken Franzosen Pierre Guerin durch eine Aushebetechnik geschlagen geben.
Das Liga-Reglement schreibt vor, dass beide Mannschaften zum zweiten Durchgang mindestens drei Kämpfer ersetzen müssen. Aber Lamsfuß schickte fast ein ganz anderes Team auf die Matte. Nur Strobel und Großmann blieben an ihrer Position. Bertagnoli wechselte ins Schwergewicht, für ihn trat Matthias Dambacher bis 90 Kilogramm an, zudem kam mit Moritz Bittner (bis 73 Kilogramm) ein weiteres ganz junges Nachwuchstalent in die Mannschaft. Klee und Popp hatten sich im ersten Durchgang leicht verletzt und wurden von Alexander Volk und Christian Wacker ersetzt. Aber auch Wacker war gegen Yannick Bonne auf verlorenem Posten, sodass auch diesmal der erste Punkt an Speyer ging.
Bis 73 Kilogramm traf Bittner auf Björn Glang und das Eigengewächs der TSG machte seine Sache auch diesmal gut. Der Backnanger konnte ein Yuko (mittlere Wertung) erzielen, das er mit großem Einsatz über die Zeit brachte. Damit war der alte Abstand wieder hergestellt, aber Speyer ließ nicht locker. Martin Bertagnoli hatte es über 100 Kilogramm mit dem körperlich überlegenen Michael Görgen-Sprau zu tun. Zunächst konnte der Österreicher in den Reihen der TSG gut mithalten, dann aber ließ er sich mit einer gewaltigen Aushebetechnik überraschen. Zu allem Überfluss verletzte sich Bertagnoli in diesem Kampf am Handgelenk und wird die beiden verbleibenden Kampftage dieser Saison voraussichtlich ausfallen. Die lautstarken Speyerer Fans aber witterten ihre Chance und trieben ihre Mannschaft an.
Ausgerechnet in dieser Situation musste Punktegarant Matthias Klee in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm durch den wesentlich unerfahreneren Alexander Volk vertreten werden. Doch der Backnanger wuchs über sich hinaus. Nach der Hälfte der Kampfzeit schickte er Andreas Kolbig mit einem fulminanten Sumi-Gaeshi (Selbstfalltechnik) auf die Matte und Backnang fehlte nur noch ein Zähler zum Mannschaftssieg. Denn konnte dann Daniel Strobel gleich im nächsten Kampf gegen Helmut Blank klar machen. In der Wiederauflage der Begegnung aus der Hinrunde wurde dem TSG-Mann jedoch alles abverlangt. Er musste diesmal über die volle Kampfzeit gehen, siegte aber dann doch deutlich mit zwei Yuko und einem Waza-Ari.
Der Rest war Ergebniskosmetik. Zunächst konnte Sascha Großmann gegen Markus Arent schon nach 40 Sekunden mit einer erneuten Würgetechnik einen weiteren Punkt für Backnang holen. Zum Abschluss konnte Matthias Dambacher gegen Pierre Guerin gut mithalten und musste sich der französischen Übermacht nur mit einem Koka und einem Yuko beugen. Damit bleibt die TSG unangefochtener Tabellenführer und kann am kommenden Samstag in der Backnanger Mörikehalle die Meisterschaft eigentlich schon klar machen. Mit einem deutlichen Sieg gegen den Tabellenletzten wäre die Lamsfuß-Truppe auch bei einer Niederlage beim letzten Kampftag am 8. September realistischerweise nicht mehr einzuholen.