Frauen verfehlen Finalrunde um Haaresbreite

Christoph Nesper

Eine starke Vorstellung boten die Backnanger Damen beim letzten Kampftag dieser Saison in der ersten Bundesliga. Um Haaresbreite hätten sie sich in München tatsächlich noch für die Finalerunde um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Los ging es mit einem deutlichen 7:0 über Schlusslicht RBS Leipzig, es folgte ein überraschendes 3:3-Unentschieden gegen den renommierten TSV München-Großhadern. Entsprechend begeistert war Betreuer Jens Holderle im Anschluss an die Kämpfe: „Das war eine richtig starke Vorstellung. Die Mannschaft hat super zusammen gehalten.“
Das hatte sich schon im ersten Durchgang gegen den JC RBS Leipzig abgezeichnet. Aushängeschild Michaela Baschin dominierte Franziska Röder nach Belieben. Die deutsche Meisterin in den Reihen der TSG erzielte innerhalb von 100 Sekunden alle möglichen Wertungen und beendete dann den Kampf vorzeitig mit einer Fußfegetechnik. Gerade mal eine halbe Minute brauchte Esther Drotler, um Anika Kracht in der Kategorie bis 57 Kilogramm mit einer Würgetechnik zur Aufgabe zu zwingen. Den kürzesten Kampf des Tages schaffte dann das Backnanger Eigengewächs Tanja Hehr, die bis 70 Kilogramm Constance Flohrer nach nur 13 Sekunden mit einer Fußfegetechnik auf die Matte schickte.
Backnang war 3:0 in Führung, Leipzig durfte nun keinen Kampf mehr abgeben. Entsprechend vehement wehrte sich Elizabeth Hentschel gegen Viktoria Wild in der Klasse über 78 Kilogramm. Doch die TSG-Kämpferin konnte den Kampf mit einem Yuko (mittlere Wertung) für eine Beinfasstechnik für sich entscheiden. Die Begegnung war gelaufen und Leipzig resignierte, schließlich war damit zugleich ihr Abstieg besiegelt. Vorzeitig besiegte Silvia Schlagnitweit in der Klasse bis 78 Kilogramm Mareike Schröter mit einem Haltegriff. Nur eine knappe Minute benötigte Annemarie Werner bis 63 Kilogramm, um Susann Kracht mit zwei Waza-Ari (große Wertung) für Selbstfalltechniken auf die Verliererstraße zu schicken. Den Schlusspunkt setzte Birgit Öttl, die Tina Hohlefeld bis 52 Kilogramm mit einer Beinfasstechnik bezwang.
Anschließend bezwangen die Gastgeber Leipzig mit 6:1, der abschließende Fight gegen Backnang versprach also interessant zu werden. Als erstes ging wieder Michaela Baschin auf die Matte. Sie traf auf Kay Kraus, die Deutschland demnächst bei den U20-Europameisterschaften vertreten wird. Hier allerdings bekam die junge Bayerin den Unterschied zwischen Junioren und Erwachsenen gnadenlos zu spüren. Nach nur 22 Sekunden hatte die Backnangerin sie mit Uchi-Mata (Innenschenkelwurf) auf die Matte geschickt. Aber nun hatte Backnang Pech. Der Kampf zwischen Vera Dworaczyk und Bettina Gasser in der Kategorie bis 57 Kilogramm stand bis wenige Sekunden vor Schluss unentschieden. Dann aber gelang der Bayerin die entscheidende Wertung.
Doch Backnang konterte. Silvia Schlagnitweit hatte bis 70 Kilogramm gegen Elisabeth Nachtmann keine echten Probleme. Nach etwas mehr als einer Minute schickte die Österreicherin in den Reihen der TSG ihre Gegnerin mit einem Hüftwurf souverän auf die Matte. Umgekehrt hatte aber auch Viktoria Wild, die hier ins Schwergewicht hochgewechselt war, gegen die Nationalkämpferin Verena Birndörfer keine wirkliche Chance. Nach 25 Sekunden hatte München zum zweiten Mal ausgeglichen. Sogar zwei Gewichtsklassen war Tanja Hehr hochgerückt. Und sie bot gegen Astrid Garmeier in der Klasse bis 78 Kilogramm einen bravourösen Kampf. Lange stand es unentschieden, am Ende gab ein unglückliches Shido (kleine Strafe) den Ausschlag gegen die Backnangerin.
Nun lag die TSG hinten und durfte nicht mehr verlieren. Esther Drotler wehrte sich bis 63 Kilogramm mit allen Kräften und schaffte gegen Martina Paesler ein punktloses Unentschieden. Nun musste also der letzte Kampf die Entscheidung bringen, ein Punkt für Backnang oder zwei Punkte für München. Und die Bayerinnen schickten Nationalkämpferin Rebecca King in der Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm ins Rennen. Doch Birgit Öttl ließ sich nicht irritieren und schaffte die Sensation. Mit einer Aushebetechnik legte sie die Favoritin aufs Kreuz und sicherte ihrer Mannschaft den Punkt. Für Backnang geht damit eine durchaus erfreuliche Saison zu Ende, erstmals schließt die TSG mit einem positiven Punktekonto die Saison ab. Auf Rang vier fehlt den Murrtalerinnen aufgrund der guten Unterbewertung tatsächlich nur der eine Punkt, den sie gegen München abgegeben haben, und sie hätten Lokalrivale KSV Esslingen von Platz drei verdrängt gehabt.